Korkender Wein

Korkender Wein: ein nicht nur von eingeschworenen Weinkennern gefürchtetes Phänomen
Wenn der edle Tropfen, den man gerade geöffnet hat, einen muffigen, üblen Geruch verströmt, dann ist dies ein untrüglicher Hinweis darauf, dass etwas mit dem Korken nicht stimmt. Entsprechend verwundert es wenig, dass man in der Weinszene schlicht und einfach von korkendem Wein spricht. Doch was verbirgt sich eigentlich genau hinter dieser Bezeichnung? Wie kommt es dazu und welche Möglichkeiten gibt es, einer ähnlichen Situation in Zukunft aus dem Weg zu gehen?

Korkender Wein: Ursachen und Entstehung

Für die unangenehme Duftnote und den holzartigen Geschmack verantwortlich ist der Stoff Trichloranisol, kurz TCA genannt. Entdeckt wurde dieser als Auslöser für das hier diskutierte Phänomen im Jahre 1982. Seine Entstehung wird auf den Einsatz verschiedener chlorhaltiger Sporen- und Pilzmittel bei der Behandlung von Korkeichen zurückgeführt. Diese liefern das Material für die späteren Korken von Weinflaschen.Verleitet die Bezeichnung ‚korkender Wein‘ zu der Annahme, dass sich das Problem durch die Wahl einer anderen Verschlussoption umgehen lässt, so werden experimentierfreudige Weingenießerinnen und Weingenießer schnell eines Besseren belehrt. Denn TCA wurde bis dato selbst bei Schraub- und Kunststoffverschlüssen sowie Plastikkorken nachgewiesen. Zudem kann es bereits bei der Lagerung in verunreinigten Holzfässern oder anderen Situationen, in denen der Wein Kontakt mit TCA hat, zu einer Übertragung kommen.

Verhalten bei korkendem Wein

In der Praxis gibt es so gut wie keine Möglichkeit, einmal korkenden Wein genussfähig zu machen. Ein bekannter Ratschlag ist das sogenannte Ausdünsten im Glas. Die Erfahrung bestätigt jedoch, dass unverkennbare geschmackliche Korknuancen im Wein verbleiben, so dass sich dieser weder für den reinen Trinkgenuss noch als verfeinernde Zutat in exquisiten Speisen verwenden lässt. Dass sich korkender Wein optisch nicht von trinkfähigem Wein unterscheidet, kann über diese Tatsache nicht hinwegtäuschen. Eine in diesem Zusammenhang häufig gestellte Frage bezieht sich auf potentielle gesundheitliche Risiken, die ein verkorkter Wein mit sich bringt. Da es sich bei den chlorhaltigen Reinigungsmitteln und Pilzinfektionen, die für die Entstehung von korkendem Wein verantwortlich sind, nur um geringfügige Mengen handelt, ist von keiner Gefahr für die Gesundheit auszugehen.

Eine Kostprobe vor dem eigentlichen Event als bewährte präventive Maßnahme

Sie möchten der Peinlichkeit aus dem Weg gehen, bei dem großen Ereignis verkorkten Wein zu servieren? Dann bietet sich Ihnen eigentlich nur eine effektive Möglichkeit: Öffnen Sie jede einzelne Flasche. Sollte Ihnen dabei nicht bereits der markante muffige Geruch entgegenschlagen und einen Hinweis auf den Zustand des Weines geben, so empfiehlt es sich, einen Schluck zu kosten. Schließlich erweisen sich gerade die feinen Duftnuancen als so subtil, dass eine Identifizierung als korkender Wein oftmals nur für Experten möglich ist. Der Geschmack ist jedoch unverkennbar. Denn neben einer stark holzigen Note erscheint ein ansonsten vollmundiger und spritziger Wein erstaunlich flach und säurearm.Auf Nummer sicher gehen Sie folglich nur, wenn Sie sich für die Methode des Vorkostens entscheiden. Denn nur so können Sie ausschließen, dass der für Ihre Gäste vorbereitete Wein zu den weltweit rund drei Prozent der korkenden Weine zählt. Eine Garantie gibt es folglich nicht. Selbst wenn Sie sich für einen Qualitätswein der höheren Preisklasse entscheiden, bedeutet dies nicht, dass Sie vor dem unangenehm holzigen Geschmack gefeit sind. Wein ist einfach ein Naturprodukt. Im Zweifelsfall gilt also auch in puncto Weingenuss das bewährte Motto: „Probieren geht über Studieren.“ Wobei es durchaus auch unter Weinkennern beim Verkosten der gleichen Flasche zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann, ob der Wein noch in Ordnung ist oder nicht. Sobald irgendwann das Wort „korkender Wein“ in der Runde auftaucht, findet sich plötzlich ein weiterer der den Wein als korkend identifiziert. Oftmals reine Psychologie.

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